Im Dienste des Kunden…

Veröffentlicht: 03/08/2011 in Dummheit
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Der ein oder andere weis es, die meisten jedoch nicht; ich arbeite, in meinem von mir als menschlich bezeichneten Leben, in einem „Coffee-Shop“ (nein, das hat nicht mit Drogen zu tun!)ähnlich Barstucks*. Ich stehe also tagsüber hinter einer Holztheke und schiebe, je nach Kundenwunsch, diverse koffeinhaltige Heiß- bzw. Kaltgetränke über selbige (ich mein die Theke; NICHT die Kunden!) und verlange dafür den entsprechenden monetären Gegenwert.

Soweit, so simpel. Eins der größten Probleme, die dabei auftreten können, ist allerdings die in diesem Berufszweig gängige Fachsprache; nämlich Denglisch (mit italienischen Einflüssen). So weis man nach einiger Zeit z.B. automatisch, dass mit „do so e Fitterbeagle“ ein Fitness-bagle oder mit „ei machsch ma e Milschkaffee dalle“ ein Cafe Latte tall (also „GROß“) gemeint ist. Sämtliche Möglichkeiten, das Getränk „White Chocolate Mocha“ auszusprechen sind synaptisch als Kreuzverweise gespeichert und werden erst bei der Getränkeausgabe korrigiert. Ähnlich verhält es sich mit den diversen Variationen des „Latte Macchiato“ und über den allseits beliebten Expresso wundert sich sowieso niemand mehr. Wobei hier anzumerken sei, dass mich die Bestellung eines Kunden, welcher einen Erpresso wollte, doch zum Lachen brachte.

Ein zweites Problem ist oft die Ahnungslosigkeit der Kunden. Das klingt jetzt zwar boshaft, aber wie würdet ihr denn jemandem erklären, wonach so ein „Himbeermuffty“ (gemeint ist natürlich ein Muffin) schmeckt? Oder wie sagt man es einfühlsam, dass es einfach keinen Kaffee gibt, der nicht nach Kaffee schmeckt? Noch schlimmer, die oft gehörte Frage: „Schmeckt das?“ – soll ich da jetzt wirklich antworten: „Nein, deshalb versuche ich es ja loszuwerden!“ ???

Naja, ich denke mal, ihr habt grob Einblick in die Thematik erhalten und komme deshalb nun zum meinem heutigen Highlight.

Also, wie oben schon mal angemerkt, ähnelt der von mir teilzeitbearbeitete Coffeeshop sehr stark der größten aller Coffeeshopketten (nein, nicht Tchibo) und die meisten Menschen wissen, genau wie bei den großen Burgerläden, dass man einfach an die Theke geht und bestellt. Diejenigen, die es nicht wissen, merken es meist, wenn der nächste Kunde kommt. Für die, die es dann immer noch nicht mitbekommen, steht folgendes Schild auf allen Tischen:

Tja, wie’s aber oft so ist, es kommt grad kein nächster Kunde und das Schild wird ignoriert. Dann geht man halt hin und bittet diese Menschen, sollten sie etwas zu trinken wünschen, möchten sie doch bitte zum Bestellen an die Theke kommen.

Heut war es anders. Nicht nur ein nächster Kunde kam, sondern derer gleich viele. So entstand kurzzeitig vor meiner Kasse (also nicht wörtlich, eigentlich gehört das Ding meinem Chef, aber ich hab sie halt grad bedient) ein Schlange von circa acht Personen. Da diese jedoch stetigen, arbeitsamen Fortschritt erkannten, warteten sie alle geduldig darauf, an die Reihe zu kommen. Ausnahme: ein Mensch (im Folgenden „das Kunde“ genannt, um nicht auf das Geschlecht der Person eingehen zu müssen) der sich seitlich vor die Schlange an die Kasse schiebt.

Ich wollte schon nach dem Schlüssel für die Toilette greifen, als das Kunde mich anspricht: „Muss ma sisch sei Kaffee do selwer hole?“ (=>ist hier etwa Selbstbedienung?)- ich war baff. Ich hatte gerade in den letzten zwei Minuten unter der Beobachtung von das Kunde drei Gäste „abgefertigt“, also etwa sechs Getränke, zwei Muffins und einen Biojoghurt verkauft, und das wurde alles von den jeweiligen Kunden an ihren Tisch transportiert. Ich ließ mir die Frage für einen Sekundenbruchteil im Kleinhirn zergehen, formulierte im Geiste drei bis zwölf bissige Gegenfragen, antwortete dann mit einem freundlichen „ja“ und schäumte die nächste Kanne Milch auf. Das Kunde ging zu seinem Tisch, nahm sich der mitgebrachten Einkäufe an und ging.

Falls ihr jetzt auf eine Moral wartet; lasst alle Hoffnung fahren. Es kommt keine. Ich bin immer noch baff. Falls ihr eine Idee habt, was ich anders / besser hätte machen können, lasst es mich wissen. Falls ihr wisst, was das Kunde in diesem Moment von mir erwartet hat, lasst mich das bitte auch wissen. Falls ihr euch an irgendeiner Stelle wiedererkennt, nehmt es mit Humor und mir nicht übel.

In diesem Sinne,

Euer daetschemol

*) Name von der Redaktion geändert.

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Kommentare
  1. Melli sagt:

    Und das ist genau der Grund warum du dein Fachabi machst…um in Zukunft solche Konfrontationen zu vermeiden. Allerdings kommt dieses Forschen des Verhaltens von „das Kunde“, unserem zukünftigen Bestseller zu Gute 😉

    • Henning sagt:

      Hallo Melli,

      egal welchen Bildungsabschluss man im Leben erreicht, oder wo man arbeitet, wirst du solche Menschen treffen. Je höher der Bildundgsabschluss, umso geballter die Lebensdummheit jener „Kunden“.

      Herr, schmeiss Hirn vom Himmel

  2. daetschemol sagt:

    Über kurz oder lang läuft es darauf hinaus, dass ein Großteil der Bevölkerung sich nicht mit einem all zu großen Gehirn rumschlagen muss und daher einfach unbedarfter durchs Leben geht als wir drei…. ;o)

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