Alda, Digger, Opfer und Schwör kommen in ne Bar…

Veröffentlicht: 04/12/2012 in Alltägliches
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Naja, so ähnlich zumindest ging es mir heute während der Arbeit.
Und spätestens als ich den Gesprächsfetzen „Alda Digger, du Opfer, schwör…“, mit anhören musste, musste ich an einen Zeitungsartikel denken, welcher mir vor einigen Monaten zufällig zugelaufen war.
Hier ging es darum, wie sich Deutsch wohl in ein paar Jahren anhört. Wenn Ihr drei Minuten Zeit habt, solltet Ihr euch diesen Artikel (oder sucht euch hier was raus) wirklich mal zu Gemüte führen!

Als ich das zu ersten mal las, hatte ich Tränen in den Augen vor Lachen.
Als ich heute allerdings diese 4 Jungens mitbekam, kam mir doch die Frage in den Sinn, ob ich tatsächlich ein Recht habe, an deren Ausdrucksweise herum zu kritisieren.

STOPP!

Ja, ich kann euch schon hören, wie Ihr jetzt alle lautstark am Nicken seid und heraus schreit, dass das ja wohl keine Sprache mehr sei, womit dieses unterentwickelte Jungvolk sich da untereinander verständigt; undsoweiterundsofort…

Aber mal ehrlich, wo haben die Jungfüchse das denn her?

Genau! VON UNS!

Oder wer von den „thirtysomethings“ (ja Leute, wir sind so ALT geworden… ;o) )  da draußen kann sich nicht mehr an den Anfang der Neunziger erinnern, als zuerst alles „krass“,dann „geil“ und schließlich „krassgeil“ wurde, was wir taten?
Okay, wir waren damals noch zurückhaltender mit solcherlei Ausdrücken und vermieden es tunlichst, damit im erlterlichen Speißezimmer (oder auch nur auf der Couch vor der Glotze) damit hausieren zu gehen. Aber wenn uns dann doch mal ein solches Wörtchen über die Lippen rutschte, und selbst wenn es nur ein „Abgefahrn!“ war, musste wir uns dann nicht den gleichen Sermon anhören, den wir heute über den Jugendlichen versprühen?

Oder, noch schlimmer, Mitte der Neunziger, als wir es waren, die nach und nach aus dem Ausruf des Erstaunens: „Alter Verwalter!“ das heute allgegenwärtige „Alda“ machten. Und war es nicht auch unsere Generation, die dieses vermaledeite „Alda schwör!“ damals schon auf den Weg brachten? Doch!

Zu unserer Ehrenrettung muss zwar gesagt werden, dass wir recht schnell eingesehen haben, dass das alles einfach nur scheiße klingt und wir dann versuchten, dieses Dilemma mit Phrasen wie „Nenn mich nicht Alda, Alda!“ oder „Nur Türken schwören!“ (Oh-Ha! da kommt schon der Rassistenprügel angerauscht! Aber im ernst, wir sagten das auch zu Türken und die konnten damals auch schon augenzwinkernd über den dummen Spruch hinwegsehen) abzuwenden.

Also, der langen Rede kurzer Unsinn:
Wir haben auch jede Menge Schwachsinn geredet.
Und, was wohl noch schwerer wiegt, wir haben dafür gesorgt, dass der ganze verbale Müll salonfähig geworden ist.
Und, und das tut jetzt richtig weh, haben die Jungspunde von heut diesen Duktus nicht sogar von Leuten übernommen, die heute bekannt (vllt sogar berühmt) sind, die aber damals mit uns jung waren?

Na, das soll mal jeder schön für sich selbst beantworten; Fakt ist allerdings:
Wir kamen darüber hinweg und legten die DiggerAldas ab; und ich bin fast bereit, ne Kiste UrPils zu wetten, dass die DiggerAldas in zwei Jahren immernoch so um die achtzehn sein werden, weil auch diese dann die Erben einer Sprache sein werden, die vom Scheitel bis zur Sohle die Eigenständigkeit und Einmaligkeit ihrer Nutzer ganz zweifelsfrei darstellen wird. Und die vier Jungs von heute Mittag werden bei einem Kamillentee zusammen sitzen und sich drüber aufregen, wir die Jungend von heute spricht.

Kurzum:
Ich reg mich nicht mehr auf. Die Buben kommen entweder von selbst noch auf den Trichter oder sie werden Rapper und müssen sich hinter irgendwelchen silbernen Tiermasken verstecken; Und spätestens damit verschwinden sie dann völlig aus meiner akustischen Wahrnehmung.

Nungut, ich sage also:

Lasst den Burschens ihre Sprache, wir hatten unsere ja auch!

Bis die Tage,

Euer daetschemol

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