Aus der Freakshow auf den Pop- Olymp … oder wie Toleranz „political correctness“ tötet!

Veröffentlicht: 13/05/2014 in Alltägliches
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Der ESC (Eurovision Song Contest; oder wie Leute meines Alters das nennen: de Grohnbrie!) ist in aller Munde.
Und um ehrlich zu sein, ist auch schon fast alles darüber und über den „Überraschungssieg“ von derdiedas Wurst gesagt worden.
Ich muss auch zugeben, dass ich bei der ersten 12 für Österreich noch gewitzelt hab, dass ich mich ja schelmisch freuen würde, wenn die Tunte (bevor Ihr jetzt zu schreien anfangt: ABWARTEN!) gewönne.

Was dann ja auch geschah.

Tja, wie oben schon gesagt, es wurde schon in allen Medien breit getreten.
Trotzdem möchte ich Euch den besten Satz zu Wursts Sieg nicht vorenthalten.
Dieser stammt von meinem ehemaligen Mitschüler Tim W. und lautet wie folgt:

Und am Ende dominiert ein Bartträger aus Österreich Europa…

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Anliegen:
Ja, ich hab mich gefreut, dass Österreich gewonnen hat; aber nicht wegen des tollen Songs.
Da hat mir Pollapönk aus Island viel besser gefallen. Oder die Malteser. Oder elaiza. Oder vielleicht noch die Franzosen.
Doch all diese Künstler hätte nicht bewirken können, was Conchita Wurst quasi im Vorbeigehen tut:
Sie bewirkt nämlich ein Umdenken in den Köpfen der Massen.

Natürlich wird diese Kunstfigur nun nicht jeden Stammtischparolisten davon überzeugen, dass Transgender auch nur Menschen wie du und ich sind, aber vielleicht wird der schwarmverdummten Mehrheit klar, dass nicht jeder Mann, der gern in Frauenkleidern rum läuft eine pervertierte Gefahr für die Menschheit darstellt.
Im Grunde ist es ja auch genau umgekehrt. Ich zumindest empfinde einen jungen Mann mit Glatze und in Springerstiefeln als viel unangenehmer als denjenigen, der in Perücke und High-heels durch die Innenstadt spaziert.
Trotzdem wird heutzutage eher der Perückenträger beschimpft…
Vielleicht kann die „Öffentlichkeitsarbeit“ von Conchita daran ja etwas ändern.

ja, ich bin mir völlig im klaren darüber, dass viele jetzt sagen werden, dass dieser einzelne Österreicher nichts an der Wahrnehmung der Gesellschaft ändern kann.
Aber mal unter uns: Den Grundstein dazu hat Olivia Jones schon im Dschungel gelegt. Conchita war da jetzt nur der nächste Schritt.

Und diese schrittweise, subtile „Zwangstolerierung“ hat schon mal funktioniert.
Denken wir doch mal 20 Jahre zurück, als Freudenhäuser und Bordelle noch abfällig als Hurenhäuser bezeichnet wurden. Das hat auch nur solange funktioniert, bis die Öffentlichkeit mitbekam, wie viele Industriefunktionäre diese Örtlichkeiten auf Firmenkosten frequentierten.
Und als die Prostituierten dann auch noch damit Anfingen, sich in der Öffentlichkeit selbst als Huren zu titulieren, war es mit der Abfälligkeit sowieso dahin.

Klar, man kann das Wort „Hure“ mit der nötigen Betonung immer noch als Schimpfwort nutzen.
Aber das kann jede Frau auch mit dem Wort „Mann“ tun; nur durch diese besondere Betonung.

Anderes Beispiel aus meinem privaten Umfeld:
Wenn ich einen meiner besten Freunde als meine „Lieblingstunte“ bezeichne, dann nur deshalb, weil ich diese Bezeichnung von Ihm übernommen habe und sie mit größtem Respekt vor Ihm nutze. Soll heißen, ich toleriere seine sexuelle Ausrichtung und sehe sie als der der Mehrheit gleichgestellt an. (Auf Deutsch: Ich mag den Kerl. Mir doch egal ob der sich mit nem Kerl im Bett wohler fühlt als mit ner Frau.)

Ich denke, Ihr merkt, worauf ich hinaus will:
Wenn man andere so toleriert, wie man das gerne für sich in Anspruch nimmt, braucht man keine politisch korrekten Phrasen.
Man muss sich nicht zu der Schwafelei verbiegen und seinen Kumpel aus der Türkei zum Mitbürger mit Migrationshintergrund herabwürdigen, wenn der Kollege eben aus der Türkei kommt. Da ist ja nichts schlimmes daran. Ist sogar schön dort… ;o)
Genauso wenig braucht man irgendwelche hahnebüchenen Wortklaubereien, wenn man Transen tolerant gegenüber tritt. Die nennen sich selbst so. Drag Queens sind die meisten nur, wenn sie auf ner Bühne stehen; aber nicht, wenn sie mit Freunden abends ein Bier trinken.

Also, zusammengefasst, wer seinen Mitmenschen gegenüber tolerant Auftritt, sollte dies tun können, wie immer er oder sie das möchte und verantworten kann.
Und wenn die Mehrheit der Menschheit sich daran halten würde, müssten auch keine Kinderbücher umgeschrieben werden. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich irgendwann noch eingehen werden…

Also, Ihr wisst bescheid.
Macht was draus!

 

Euer daetschemol

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