Mit ‘Amoklauf’ getaggte Beiträge

Nach oben treten…

Veröffentlicht: 27/07/2016 in Alltägliches
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eigentlich sollte dieser Artikel völlig anders heißen*

Und eigentlich hätte auch etwas völlig anderes hier stehen sollen.
Aber es kam anders.

Es kamen die letzten Tage. Es kamen München und Ansbach.
Und nein, ich werde heute nicht über Amokläufer, Terroristen oder sonstige Verblendete schreiben, über welche man sich eigentlich hervorragend erheitern könnte.
Ich will heute über etwas schreiben, was man wohl als Ursachenforschung bezeichnen könnte.
Als kleinen Einstieg möchte ich hier die Worte einer Freundin zitieren, welche den Anstoß zu diesem Post gaben:

Mobbing in der Schule? Ein Amoklauf wegen Mobbing? Unglaublich ist das! So schlimm kann das mit dem Mobbing doch gar nicht sein! Wie sollte denn sowas zu einem Amoklauf führen?

Was wissen wir eigentlich über Mobbing? Die Meisten nicht wirklich viel, nicht wahr? Wir wissen nur, wir haben noch nie jemanden gemobbt!

Oder etwa doch?

Mobbing ist für die Meisten nichts schlimmes. Wieso auch? Sie mobben ja auch und sind nicht das Opfer.

Wann ist es Spaß und wann ist es Mobbing? Wann hört der Spaß auf und wird zu Mobbing? Na, wer weiß die Antwort?

Ich sage Euch die Antwort: Ihr könnt es nicht wissen, wenn Ihr nicht gemobbt wurdet! Und die Wahrheit ist nunmal, es gibt mehr Mobber als Opfer.

Mobbing wird sehr subjektiv empfunden und ist für jeden anders. Aber wie geht es jedem von Euch, wenn er ständig runtergemacht oder Witze auf die eigenen Kosten gemacht wurden? Ist das für Euch nur ein Spaß oder Mobbing?

Tja, eigentlich könnte ich nach dieser Einleitung mit dem Tippen aufhören. zum Nachdenken gibt´s jetzt ja schon genug.

Aber ich möchte es schon gern etwas persönlicher Gestalten.

Nun denn:
Als ich die Zeilen des obigen Zitats las, stellte ich mir augenblicklich zwei Fragen:
1. Wurde ich je gemobbt?
2. Habe ich jemals jemanden gemobbt?

Und beide Fragen sind nicht gerade leicht zu beantworten.

Die Erste fällt mir sogar schwerer.
Aber im Nachhinein betrachtet, ist es eigentlich klar, dass ein Jugendlicher der immer etwas größer und schwerer war als seine gleichaltrigen Mitschüler und der dann auch immer etwas nerdig wirkte, ordentlich Lack gekriegt hat.
Während meiner schulischen Ehrenrunde ging das soweit, dass ich, zumindest im schulischen Umfeld, mit dem Namen eines Zeichentrickschweins belegt wurde, der meinen echten Namen bei einigen Mitschülern noch heute verdrängt hat.
Da ich aber außerhalb der Schule starken Rückhalt von Freunden erfuhr, mich verbal immer schon zu wehren wusste und meine Anwesenheit im schulischen Umfeld dann stark einschränkte, ging ich ohne größere Schäden (subjektiv) aus dieser Zeit hervor. Und ich trage den damaligen Spitznamen inzwischen mit Stolz und freu mich immer wieder, wenn er von ehemaligen Mitschülern genutzt wird.
Wie gesagt, die erste Frage fällt mir schwer.

Die zweite Frage ist etwas einfacher zu beantworten.
Könnte ich mit einem Wort.
Ich mach trotzdem einen kurzen Satz draus, damit das eine Wort nicht so alleine da rumsteht:
Japp, hab ich.

Allerdings hab ich meine Opfer immer mit bedacht gewählt. Ich hab immer nach oben getreten. Ob es nun die hübschesten Mädchen, die sportlichsten Jungs, die Klassenbesten, die Beliebtesten waren, war egal, es waren immer exklusive Ziele, welche ausschließlich von mir gemobbt wurden.
Sicherlich ging ich dabei auch das ein oder andere Mal zuweit und es flossen mehr als einmal tränen.
Ganz sicher schulde ich so manchem von damals eine Entschuldigung für mein loses Maul.
Und trotzdem denke ich, zumindest teilweise, zahlte ich nur mit gleicher Münze heim, was zuvor an Aussenseitern ausgeleassen wurde. Und das im Alleingang.

Aber ich will hier nichts schönreden.
Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass ich keine bleibenden Schäden verursacht habe.

Nichtsdestowenigertrotz wollte ich, dass auch Ihr Euch wenigstens zehn Minuten lang mit dem Thema beschäftigt. Vielleicht mal über Euer eigenes Verhalten anderen gegenüber nachdenkt. Euch ein wenig sensibilisiert.

Denn in Zeiten wie diesen, in welchen weltweit eh die Kacke schon am kochen ist, fängt Veränderung stets beim Einzelnen an.

Also, macht was draus!

Euer daetschemol

 

*ursprünglich hätte ich hier das Ende von daetschemol verkünden wollen; aber das hat noch Zeit…