Mit ‘Toleranz’ getaggte Beiträge

Definitionsprobleme

Veröffentlicht: 25/08/2015 in Alltägliches
Schlagwörter:,

Ich find mich nicht mehr zurecht.

Egal wann man dass Internet auf macht, überall und ständig wird man mit Schreckensnachrichten bombardiert.

Okay, das ist jetzt nichts Neues aber was anschließend mit den Meldungen geschieht, da blick ich einfach nicht mehr durch.

Egal, ob es um Geschehnisse im Freital, um Onkel Walter (oder hieß er Werner?) in Dirmingen oder um (Re)Aktionen aus der Bundespolitik geht, jedwede wieauchimmer geartete Fraktion nimmt sich dieser Nachrichten an und bastelt eine Story nach ihrem Geschmack daraus.
Okay, normaler Weise gehöre ich ja zu denjenigen, die über all das dumme Witze reißen; und aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich das auch weiterhin so halten. Trotzdem denke ich, sollte sich jeder mal ein paar Minuten Zeit nehmen um seine eigenen Ansichten und Meinungen zum aktuellen Geschehen zu überdenken.
Damit meine ich nicht, dass jetzt bitte jeder seine Meinung zu ändern hat. Mitnichten!
Aber nehmt Euch bitte fünf Minuten Zeit und kontrolliert mal, ob Eure Argumentation zu Eurem wieauchimmer gearteten Standpunkt schlüssig ist.

Um das ein wenig näher auszuführen, möchte ich hier auf ein Gespräch mit einem alten Freund zurückgreifen.
Vor zwei Wochen saß ich mit diesem in gemütlicher Runde beim Abendessen und wir diskutierten über die immer häufiger werdenden, latent rechten Posts in diversen sozialen Netzwerken.
Ich bin mir sicher, dass Ihr alle in den letzten Tagen des Öfteren Sätze wie: „Ich bin ja kein Nazi…“, „Das muss doch mal gesagt werden….“, „Früher hätte man….“, gelesen habt. Darum ging es während unseres Gesprächs.
Zurück dazu:
Irgendwann kamen wir zu dem Punkt, dass wir als tolerante Personen, als welche wir uns betrachten, eigentlich auch diese unterschwellig rassistischen Meinungen tolerieren müssten (Konjunktiv!).
Ich kann nun leider nicht mehr mit dem genauen Wortlaut dienen, doch sinngemäß antwortete besagter Freund damit, dass es zwar im Sinne der Toleranz richtig wäre auch diese Meinungen anzuerkennen, er jedoch persönlich nicht bereit sei, rechter Propaganda (und sei sie noch so unterschwellig und harmlos anmutend) auch nur eine handbreite an Boden einzuräumen.

So, das darf jetzt jeder mal kurz sacken lassen.

Während Ihr darüber nachdenkt möchte ich Euch ein Video ans Herz legen, welche zwar nicht genau mein Thema heute trifft, dennoch eine geistige Verbundenheit anschmecken lässt. Schaut es Euch einfach mal an.

http://www.ardmediathek.de/tv/Redefreiheit/Laura-Weidig-Redefreiheit-Slam/Bayerisches-Fernsehen/Video?documentId=24804552

So, alle mal drüber nachgedacht?
Schön, dann wieder zurück zum Thema.
Ich hatte jetzt ein paar Tage Zeit, um über obiges Gespräch nachzudenken und bin doch zu keinem befriedigenden Ergebnis gekommen.
Klar, diejenigen, welche sich eben die fünf Minuten Zeit genommen haben und das Video angeschaut haben, werden wohl jetzt anmerken, dass man es tun kann wie Laura Weidig und solchen Subjekten und ihren Meinungen einfach intolerant entgegentreten.

Um ganz ehrlich zu sein: das möchte ich nicht.
Ich sehe mich gern als toleranten Menschen.
Sogar mehr als das. Ich behaupte sogar gerne von mir, dass ich jeden Menschen gleich behandele. Zu meinem eigenen Seelenfrieden bin ich ja schließlich auch extrem dummen Menschen gegenüber inzwischen höflich geworden (auch wenn mir die Toleranz da schon  extrem schwer fällt).

Diejenigen, die mich privat kennen mögen nun skeptisch eine Augenbraue erhoben haben aber Euch sei in Erinnerung gerufen, dass in meiner sarkastischen Weltanschauung die Grundsätze „Jede Minderheit hat ein Recht auf Diskriminierung“ und „Wer von mir nicht auf die Schippe genommen wird darf sich beleidigt fühlen“ sehr wohl ein Höchstmaß an Toleranz zum Ausdruck bringen.

Dementsprechend möchte ich nicht willkürlich entscheiden, wem gegenüber ich tolerant bin und wem nicht. Ich möchte meine Toleranz als global gültig erachten.
Allerdings habe ich dann wieder das Problem, dass ich eigentlich jedwede braune Stammtischscheiße tolerieren müsste. Will ich aber auch nicht.

Die einzige Möglichkeit, diesem Dilemma zu entrinnen ist also, dass ich Toleranz als Begriff für mich neu definiere.

Man könnte zum Beispiel über moralische Vertretbarkeit argumentieren, hat dann aber das Problem am Hals, dass Moral schwammig, teilweise blind und voller Ausreden ist. (Der weis es nicht besser…, in dem alter ist man eben etwas anders…, uswusf…)
Man könnte sogar auf religöse Regelwerke zurückgreifen. Die Zehn Gebote zum Beispiel…. Aber mal ehrlich: die einzige Religion die Menschen tolerant werden lässt ist Rastafari und selbst deren Anhänger verflogen auf Jamaika Homosexuelle. Also auch nur Heuchlerei.

Bleiben also nur noch zwei Möglichkeiten:

  1. (und die traue ich kaum anzusprechen). Gesunder Menschenverstand. Ist aber auch zum Scheitern verurteilt, da zwar jeder gerne denkt, dass er mit ausreichendem Verstand ausgestattet ist, die Realität uns aber tagtäglich vom Gegenteil überzeugt.
  2. Die Weisheit meiner Oma!
    Okay, Eurer Omas wahrscheinlich auch.
    Aber ich hab von meiner Oma in meinen Kindertagen immer wieder den Spruch „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem Andern zu!“ gehört.

Als Kind war das zwar nur irgendein Spruch von meiner Oma (und davon hatte sie etliche auf Lager) aber wenn ich heute darüber nachdenke, kann man ziemlich viel bewegen, wenn man einfach nur danach handelt.

Oder fändet Ihr es etwa cool, wenn ihr nach einer wochenlangen Odyssee durch Kriegsgebiet und einer Meeresüberfahrt in einer Nussschale bei Mangelernährung das Dach über „Euren“ 2,5 Quadratmetern Turnhalle abgefackelt bekommen würdet?

Eher nicht….!

Daher werde ich für meinen Teil Toleranz nun stets nach meiner Oma beurteilen und nur noch Aussagen tolerieren, welche sich mit diesem Spruch in Einklang bringen lassen.

Ob Ihr das auch so halten solltet?

Ich fände es gut.

Euer daetschemol

wehret den Anfängen…

Veröffentlicht: 25/02/2015 in Alltägliches
Schlagwörter:, ,

Gestern:
Freier Eintritt im Museum.
Ägyptenausstellung in (laut Werbeagentur) einem der spannendsten Orte der Welt.
Wäre bestimmt auch gut geworden, hätten sich die Organisatoren der Ausstellung wenigstens ein bisschen Mühe gegeben. Oder sich sogar ein paar Gedanken darüber gemacht, wie sie diese Ausstellung so präsentieren können, dass sie ihrem Potenzial gerecht wird.
Aber ich könnte mich hier nun stundenlang auslassen, ohne Euch einen vernünftigen Eindruck zu vermitteln. Daher will ich Euch kurz mit ein zwei Beispielen langweilen, bevor ich zum eigentlichen Thema komme:

  • Wenn ich als Ausstellung damit „angeben“ würde, dass ich sehr detaillierte Modelle von ägyptischen Tempelanlagen zeigen kann, welche einen besonderen Eindruck dadurch gewähren, dass man sie Aufklappen und somit ihr Inneres betrachten kann, dann würde ich sie auch aufgeklappt ausstellen…
  • Würde mir in der Vitrine eines Exponates der Platz für eine vernünftige Beschriftung des Selben nicht ausreichen, würde ich mir etwas einfallen lassen, wie eine Tafel neben der Vitrine oder Ähnliches.
    Ich würde aber auf keinen Fall einfach mitten im Satz
  • Würde ich neben den ausgestellten Exponaten eine Fotoausstellung eines renommierten Fotojournalisten zum gleichen Thema zeigen, hätte ich den zugehörigen Bildband mit Erklärungen zu den Bilderserien vorrätig und würde nicht nur in einem Schaukasten darauf hinweisen, dass dieser Bildband existiert.

Aber wer bin ich schon, dass ich an solchen Kleinigkeiten hier ewig herummäkeln würde?
Ich möchte ja auch Eure Geduld nicht übermäßig beanspruchen…

Also, nun aber zum Thema!
Ich denke, Ihr habt auch inzwischen verstanden, dass bei dieser Ausstellung noch massig Luft nach oben gewesen wäre; und falls Ihr Euch nun fragen solltet, warum ich deswegen einen solchen Aufriss veranstalte, seid Ihr auch schon zu des Pudels Kern vorgedrungen…

Denn, was mich daran so kolossal ärgert, ist das stiefmütterliche Engagement, mit welchem der Bildung verschriebene Institutionen ihrem (wenn auch selbst auferlegten Bildungs-) Auftrag nachkommen.
Und wenn ich dann noch in Erwägung ziehe, dass ich, als nicht mehr als jugendlich zu erachtender Mensch, in Bezug auf den Durchschnittsbesucher, knappe 30(!) Jahre zu jung war, muss ich doch annehmen, dass Museen sich als Bestandteil des siebten Bildungsweges ansehen.

Was mich dann auch schon, schwuppdiwupp, nach knappen 350 Wörtern, zu dem bringt, was ich eigentlich schreiben wollte:

Wehret den Anfängen!

Auch wenn es in letzten Tagen gerade wieder etwas ruhiger geworden ist, was Themen wie Pegida und sämtliche Idoitie- Derivate anbelangt, hat sich an der momentanen Intoleranz- Welle ja nicht viel geändert.
Und ich befürchte auch, dass dem so bleiben wird, sollte sich nicht grundlegend etwas ändern!

Hier muss ich einen kleinen Einschub einschieben, da es ja viele Menschen gibt, welche stets darum bemüht sind, an Missständen zu arbeiten. Ein sehr schönes Beispiel dafür findet ihr in dem Blog sarahmaria.de, wo unter dem hashtag #BloGeHa zu einer Blog- Parade für mehr Toleranz aufgerufen wird.

Tja, und was sich meiner bescheidenen Meinung nach dringend ändern muss, ist schlicht und ergreifend der Umgang mit Bildung.

Ich will hier jetzt gewiss nicht die nächste Schulreform lostreten (auch wenn das wahrlich kein schlechter Gedanke wäre), sondern nur darauf hinweisen, dass es nicht nur Institutionen mit Lehrauftrag gibt, sondern auch alltäglicher Umgang bildet.

Jeder von uns ist ein Vorbild für seine Umgebung!

Vor Allem Kindern gegenüber ist es relativ leicht, als gutes Vorbild voran zu gehen.
Und das sollte auch jeder von uns in seinem Alltag stets bedenken. Ob dies nun jeder persönlich zu seinem Auftrag macht, indem er Interesse und Neugier vorlebt oder Talente fördert oder ob man „nur“ dafür Sorge trägt, dass das eigene Kind in einem toleranten und möglichst „bunten“ Umfeld aufwächst anstatt nur vor der Flimmerkiste zu versauern, bleibt letztlich jedem selbst überlassen.

Sollte es jedoch anders laufen und die nächste Generation nicht mit Joseph (ultra-koreanischer-Name), Osman, Shoana und Sören zusammen in langweilige Museen gezerrt werden (wo sich die Erwachsenen dann aufregen, wie lieblos die „total krasse Mumie“ da in ihrer Vitrine rumhängt) sondern statt dessen ausschließlich mit Kai- Adolf und Gernot- Herbert an der PS4 Terroristen plattmachen, sehe ich Zeiten auf uns zukommen, in welchen wir uns die lustigen Pegida – Deppen zurückwünschen werden….

 

Also, Rechner aus und vorbildlich sein!

 

Euer daetschemol
(der bei den Eltern Gleichalter sicherlich nie als Vorbild galt)

Der ESC (Eurovision Song Contest; oder wie Leute meines Alters das nennen: de Grohnbrie!) ist in aller Munde.
Und um ehrlich zu sein, ist auch schon fast alles darüber und über den „Überraschungssieg“ von derdiedas Wurst gesagt worden.
Ich muss auch zugeben, dass ich bei der ersten 12 für Österreich noch gewitzelt hab, dass ich mich ja schelmisch freuen würde, wenn die Tunte (bevor Ihr jetzt zu schreien anfangt: ABWARTEN!) gewönne.

Was dann ja auch geschah.

Tja, wie oben schon gesagt, es wurde schon in allen Medien breit getreten.
Trotzdem möchte ich Euch den besten Satz zu Wursts Sieg nicht vorenthalten.
Dieser stammt von meinem ehemaligen Mitschüler Tim W. und lautet wie folgt:

Und am Ende dominiert ein Bartträger aus Österreich Europa…

Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Nun aber zurück zu meinem eigentlichen Anliegen:
Ja, ich hab mich gefreut, dass Österreich gewonnen hat; aber nicht wegen des tollen Songs.
Da hat mir Pollapönk aus Island viel besser gefallen. Oder die Malteser. Oder elaiza. Oder vielleicht noch die Franzosen.
Doch all diese Künstler hätte nicht bewirken können, was Conchita Wurst quasi im Vorbeigehen tut:
Sie bewirkt nämlich ein Umdenken in den Köpfen der Massen.

Natürlich wird diese Kunstfigur nun nicht jeden Stammtischparolisten davon überzeugen, dass Transgender auch nur Menschen wie du und ich sind, aber vielleicht wird der schwarmverdummten Mehrheit klar, dass nicht jeder Mann, der gern in Frauenkleidern rum läuft eine pervertierte Gefahr für die Menschheit darstellt.
Im Grunde ist es ja auch genau umgekehrt. Ich zumindest empfinde einen jungen Mann mit Glatze und in Springerstiefeln als viel unangenehmer als denjenigen, der in Perücke und High-heels durch die Innenstadt spaziert.
Trotzdem wird heutzutage eher der Perückenträger beschimpft…
Vielleicht kann die „Öffentlichkeitsarbeit“ von Conchita daran ja etwas ändern.

ja, ich bin mir völlig im klaren darüber, dass viele jetzt sagen werden, dass dieser einzelne Österreicher nichts an der Wahrnehmung der Gesellschaft ändern kann.
Aber mal unter uns: Den Grundstein dazu hat Olivia Jones schon im Dschungel gelegt. Conchita war da jetzt nur der nächste Schritt.

Und diese schrittweise, subtile „Zwangstolerierung“ hat schon mal funktioniert.
Denken wir doch mal 20 Jahre zurück, als Freudenhäuser und Bordelle noch abfällig als Hurenhäuser bezeichnet wurden. Das hat auch nur solange funktioniert, bis die Öffentlichkeit mitbekam, wie viele Industriefunktionäre diese Örtlichkeiten auf Firmenkosten frequentierten.
Und als die Prostituierten dann auch noch damit Anfingen, sich in der Öffentlichkeit selbst als Huren zu titulieren, war es mit der Abfälligkeit sowieso dahin.

Klar, man kann das Wort „Hure“ mit der nötigen Betonung immer noch als Schimpfwort nutzen.
Aber das kann jede Frau auch mit dem Wort „Mann“ tun; nur durch diese besondere Betonung.

Anderes Beispiel aus meinem privaten Umfeld:
Wenn ich einen meiner besten Freunde als meine „Lieblingstunte“ bezeichne, dann nur deshalb, weil ich diese Bezeichnung von Ihm übernommen habe und sie mit größtem Respekt vor Ihm nutze. Soll heißen, ich toleriere seine sexuelle Ausrichtung und sehe sie als der der Mehrheit gleichgestellt an. (Auf Deutsch: Ich mag den Kerl. Mir doch egal ob der sich mit nem Kerl im Bett wohler fühlt als mit ner Frau.)

Ich denke, Ihr merkt, worauf ich hinaus will:
Wenn man andere so toleriert, wie man das gerne für sich in Anspruch nimmt, braucht man keine politisch korrekten Phrasen.
Man muss sich nicht zu der Schwafelei verbiegen und seinen Kumpel aus der Türkei zum Mitbürger mit Migrationshintergrund herabwürdigen, wenn der Kollege eben aus der Türkei kommt. Da ist ja nichts schlimmes daran. Ist sogar schön dort… ;o)
Genauso wenig braucht man irgendwelche hahnebüchenen Wortklaubereien, wenn man Transen tolerant gegenüber tritt. Die nennen sich selbst so. Drag Queens sind die meisten nur, wenn sie auf ner Bühne stehen; aber nicht, wenn sie mit Freunden abends ein Bier trinken.

Also, zusammengefasst, wer seinen Mitmenschen gegenüber tolerant Auftritt, sollte dies tun können, wie immer er oder sie das möchte und verantworten kann.
Und wenn die Mehrheit der Menschheit sich daran halten würde, müssten auch keine Kinderbücher umgeschrieben werden. Aber das ist ein anderes Thema, auf das ich irgendwann noch eingehen werden…

Also, Ihr wisst bescheid.
Macht was draus!

 

Euer daetschemol